Ganztagesveranstaltung Sonnabend


“Mit Eva fing die Liebe an“: das jedenfalls behauptet der Titel eines populären Buchs über den Wandel von Liebes- und Ehesitten. Geistesgeschichtlich gesehen braucht man indessen nicht so weit zurückzugehen. Insbesondere Platon hat die Liebe, den „Eros“, wiederholt zum Thema seiner Dialoge gemacht. Vor dem Hintergrund des Platonischen Eros-Konzepts möchte ich die Vorstellung von Liebe und Erotik herausarbeiten, die sich im Abendland im 11. Jahrhundert herauszubilden beginnt: das Ideal der höfischen Liebe. Da dieses Ideal mehr verlangte als Menschen für gewöhnlich leisten können, kam es in der Folgezeit zu einem eigenartigen Auseinanderdriften zweier Tendenzen: einer plötzlichen Ausbreitung der Marienverehrung steht ein sprunghafter Anstieg der Prostitution gegenüber – bis hin zu solchen Auswüchsen wie Kirchenbordellen im Zeitalter der Renaissance. Über die Liebesvorstellung der Renaissance hinaus werde ich die des Rokoko skizzieren und die Entstehung der romantischen Liebe erklären.
Ferner gehe ich ein auf Liebe und Erotik im Bürgertum, auf die mit der bürgerlichen Ehe gekoppelte Doppelmoral und die Krise der Ehe, die sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Verbindung mit dem ersten Weltkrieg abzuzeichnen begann. Beschließen werde ich meine Ausführungen mit einem Blick auf das 20. Jahrhundert und gegenwärtige Tendenzen. Einerseits befreit sich Eros zunehmend von Zwängen, z.B. infolge des „Kinsey-Reports“ und der „Sexuellen Revolution“; andererseits aber entstehen neue Zwänge, vor allem im Hinblick auf die Orientierung an der so genannten „Standardschönheit“, wie sie durch Hollywood und die Videoclips der Popkultur geprägt wird.


Protokoll, geschrieben von Doris Nicolai und Wolfgang Grätz
Termin: 08.09.07, 10.30 - 18.00 Uhr
Gebühr: 45,00 / 35,00 / 15,00 / 10,00 Euro
Referent: Friedhelm Decher
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