Warum sind Menschen religiös?
Barbara Abigt:
Emile Durkheim, französischer Soziologe, beantwortet die Frage nach der Religiosität der Menschen mit der, wie er betont, empirisch abgesicherten Behauptung, Religion sei die Urform des gesellschaftlichen Lebens, sie sei eminent sozial. Da das, was wir heute an Religionen kennen, nicht mehr deren Urformen sind, sondern viel Sekundäres auf deren Urformen aufgeklebt ist, müssen wir uns zur Beantwortung der Frage Kulturen an schauen, in denen die Riten noch die ursprünglichen und grundsätzlichen sind. Denn, so Durkheim, die Urgedanken um die Welt und von sich selber, sind religiösen Ursprungs.

Elisabeth Eicher:
Die Frage "Warum ist der Mensch religiös" führt zu Überlegungen über die Funktion von Religion, sie trifft nicht den Kern theologischen Forschens.

Die Theologie kann nach den Voraussetzungen fragen, die den Menschen befähigen, in Beziehung zu Gott zu treten. Sie weiß jedoch keine Antwort darauf, warum Menschen das ø manchen als aberwitzig erscheinende ø Wagnis eingehen, Gott als eine real existierende Wirklichkeit zu glauben. Sehr wohl kennt sie Beispiele von Menschen, die diesen Sprung gewagt haben oder wagen. Das klingt den meisten von uns als verrückt. Von dieser Verrücktheit der Liebe leben aber zum Beispiel die Mystiker. Und diese Verrücktheit der Liebe ist es, die die Theologie interessiert, ohne dass sie wahrhaftig erklären könnte, warum sich Menschen darauf einlassen.

Friedhelm Decher:
Emile Durkheim, französischer Soziologe, beantwortet die Frage nach der Religiosität der Menschen mit der, wie er betont, empirisch abgesicherten Behauptung, Religion sei die Urform des gesellschaftlichen Lebens, sie sei eminent sozial. Da das, was wir heute an Religionen kennen, nicht mehr deren Urformen sind, sondern viel Sekundäres auf deren Urformen aufgeklebt ist, müssen wir uns zur Beantwortung der Frage Kulturen an schauen, in denen die Riten noch die ursprünglichen und grundsätzlichen sind. Denn, so Durkheim, die Urgedanken um die Welt und von sich selber, sind religiösen Ursprungs.

Helmut Schick:
Aus naturwissenschaftlicher Sicht ist Religiosität ein ausschließlich menschliches Phänomen. Der einzige Phänomenbereich den die Menschen nicht mit den Tieren teilen, ist die Symbolsprache. Mythisches Denken als Ursprung und Vorläufer von Religiosität sollte daher im Rahmen der Evolution der Sprachinhalte (Begriffe) entstanden sein. Aus naturwissenschaftlicher Sicht war die Entstehung von Mythen zwangsläufig.

Die Sprachinhalte bezogen sich zunächst ausschließlich auf gegenwärtige Dinge und täglichesTun. Erst als bestimmte zeitliche Abstraktionen erfunden, also denkbar wurden, konnte beispielsweise die Frage nach dem Anfang gestellt werden. Aber, wenn diese Frage denkbar wurde, musste sie mit den bestehenden Begriffen beantwortet werden. Dies wird durch die allen Menschen angeborene Struktur des Gehirns erzwungen.

Zum Lesen:


Termin: 18. August 2001, 10.30 bis 17.30 Uhr
Seminargebühr: DM 150,00 / 100,00 / 50,00
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